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Rezension: Die Welle

Aktualisiert: 3. Dez. 2019



Normalerweise sind Schullektüren meiner Meinung nach recht langweilig, weshalb ich auch keine besonders hohen Erwartungen an den Roman "Die Welle" von Morton Rhue, den wir in Deutsch gelesen haben, hatte. Ich wurde jedoch von dem erstmals 1981 veröffentlichten Buch positiv überrascht.

Er handelt von einem jungen Geschichtslehrer namens Ben Ross, der seinen Schülern durch ein Experiment veranschaulichen möchte, warum sich während Hitlers Herrschaft im Dritten Reich kaum jemand in Deutschland den Nazis widersetzte, also gründet er die Welle, die zu Beginn nur aus den Schülern seines Geschichtskurses besteht und auf Gleichheit, Disziplin und absolutem Gehorsam ihm gegenüber beruht. Zu Beginn läuft alles wie geplant, die Schüler tun, was der Lehrer ihnen sagt, machen im Unterricht mit und schließen keines der Mitglieder der Welle mehr aus. Doch dann gerät das Experiment außer Kontrolle und macht sich selbstständig. Die Welle breitet sich rasant in der gesamten Schule aus und jeder, der kein Mitglied ist oder dem Grundsätzen der Welle, Macht durch Disziplin, Macht durch Gemeinschaft und Macht durch Handeln, widerspricht, wird ausgeschlossen und teilweise sogar angegriffen, während Ben immer mehr Gefallen am absoluten gehorsam seiner Schüler findet.

"Die Welle" ist abwechselnd aus der Perspektive der Schülerin Laurie Saunders, die zu Beginn Teil der Welle und später eine ihrer größten Gegner/innen wird, und Ben Ross, dem Lehrer und Anführer der Welle, sodass man die Organisation sehr gut von beiden Seiten betrachten kann und die Motive beider Figuren kennen lernt.

Das Erschreckende ist jedoch, dass „Die Welle“ auf einer wahren Begebenheit beruht. Natürlich wurden einzelne Aspekte, wie zum Beispiel die Namen, geändert, doch es gab wirklich einen amerikanischen Lehrer, Ron Jones, der 1967 ein derartiges Experiment namens 'The Third Wave' mit seiner Klasse durchführte und zu den selben Ergebnissen kam wie Ben Ross (die übrigens in der Verfilmung von 2008 dezent anders verlaufen), was den Roman noch interessanter macht. Nennenswert ist außerdem, dass sich das ganze Experiment in einem sehr kurzen Zeitraum abspielt.

Gerade deshalb halte ich "Die Welle" für ein sehr lesenswertes Buch mit spannenden wissenschaftlichen Hintergründen, das uns Einiges über die menschliche Psyche verrät und es möglicherweise sogar schafft, das Verhalten der Bevölkerung unter Hitler zu erklären, auch wenn der Roman recht vorhersehbar und simpel geschrieben ist und die Geschichte mit ihren gerade einmal 180 Seiten etwas ausführlicher sein könnte.


von Lucie Brennberger, MSS 11

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