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Geschlechtsneutrale Toiletten

Aktualisiert: 22. Juni 2019

Für diejenigen unserer Leser, die mich persönlich kennen, wird es wohl kaum überraschend sein, zu hören, dass ich ein starker Befürworter davon bin, die Trennung zwischen den Geschlechtern bei öffentlichen Toiletten, oder zumindest bei denen in unserer Schule, abzuschaffen. Für euch, und auch alle anderen, die es interessiert, werde ich nun einige meiner Gründe für meine Meinung weiter erläutern.


Foto von Selina Peesel, MSS 11

Diese Trennung ist nicht nur veraltet und unnötig (ernsthaft, es ist eine Toilette, warum sollte man sie nur einem bestimmten Teil der Bevölkerung überlassen?), sondern auch diskriminierend gegenüber Individuen, die sich nicht unbedingt einem der beiden "traditionellen" Geschlechtern, oder zumindest nicht dem, dem sie biologisch, beziehungsweise körperlich angehören, zugehörig fühlen. Zu meinem Glück (zumindest in diesem Fall) gehöre ich nicht zu dieser Gruppe, sodass ich mich zumindest mit diesem Aspekt von öffentlichen Toiletten, die ich, meistens aus hygienischen Gründen, sowieso weitestgehend zu verhindern versuche, nicht nahezu täglich auseinandersetzen muss, doch das heißt noch lange nicht, dass ich dieses Problem einfach ignorieren werde oder sollte, immerhin kenne ich auch einige Menschen, welche direkt davon betroffen sind. Dennoch werde ich dazu jetzt nicht mehr schreiben, weil ich mich mit diesem Thema nicht gut genug auskenne und sowieso nicht die richtige Person bin, um darüber zu reden und zu informieren, eben, weil es mich nicht direkt betrifft.

Doch selbst, wenn man diese zugegebenermaßen nicht allzu große Gruppe erst einmal beiseite lässt, gibt es immer noch mehr als genug Gründe, gegen geschlechtsspezifische Toiletten und die damit einhergehende soziale Trennung zu sein.

So verstärkt sie unter Anderem die durchaus schädliche Vorstellung, die (traditionellen) Geschlechter müssten getrennt werden, vermutlich, um die unschuldigen Frauen von den schlimmen Männern zu beschützen, was nicht nur eine veraltete und größtenteils unbegründete Vorstellung ist, sondern auch schädlich dafür sein kann, wie die Angehörigen der beteiligten Geschlechter sich selbst und einander sehen. Ich halte es für keine besonders gute Idee, dass die eine Hälfte der Gesellschaft als hilflos und die andere als gefährlich angesehen wird, und das auch noch aufgrund einer irrelevanten Tatsache, die komplett außerhalb von ihrer Kontrolle liegt.

Ein weiteres Argument, das an unserer Schule noch stärker ist als anderswo, ist, dass es bei uns nunmal nur eine begrenzte und viel zu kleine Anzahl an Toiletten gibt, von denen meistens auch noch mindestens eine wegen Verschmutzung gesperrt ist. So kommt es oft vor, dass jemand in der Fünf-Minuten-Pause einer Doppelstunde noch schnell auf die Toilette muss und dann in ein komplett anderes Stockwerk gehen und dort auch noch anstehen muss, was dann dafür sorgt, dass man nicht genug Zeit hat und deshalb entweder die ganze Klasse aufhält oder einen Teil des Unterrichts verpasst, was beides nach schlechten Alternativen klingt. Das könnte natürlich verhindert werden, wenn man mehr Toiletten bauen würde, was sich die Schule aber vermutlich nicht leisten kann. Die einfachste und sinnvollste Lösung wäre es also, einfach diese Geschlechtertrennung aufzuheben, da diese sowieso nahezu unbegründet ist.

Einheitliche Toiletten würden auch dazu führen, dass dumme Sprüche wie „Bist du ein Junge oder ein Mädchen?“, was ich früher regelmäßig gefragt wurde, und zwar immer dann, wenn ich besonders dringend auf die Toilette gehen musste, nicht mehr so häufig vorkommen würden, was den Alltag einiger Leute erleichtern würde, die sich nicht an die stereotypischen Merkmale halten, die ihrem Geschlecht zugeordnet werden. So etwas kann nämlich wirklich nervig sein, besonders, wenn man es eilig hat.

Mein letztes Argument mag auf den ersten Blick zwar etwas seltsam wirken, ist aber deshalb nicht weniger relevant. Denn im Grunde genommen ist diese Geschlechtertrennung nicht viel anders als die Trennung zwischen Hell- und Dunkelhäutigen Menschen, die es von 1897 bis 1954 in den USA gab, was heute allgemein als inakzeptabel und rassistisch angesehen wird, ebenso wie die geschlechtsbedingte Trennung von Menschen sexistisch ist. Diskriminierend und veraltet sind jedenfalls beide Vorstellungen.

Und deshalb bin ich der Ansicht, dass getrenntgeschlechtliche öffentliche Toiletten nicht nur unnötig, sondern sogar schädlich für eine aufgeklärte Gesellschaft sind und wir keinerlei Begründung haben, sie weiterhin beizubehalten, da die Abschaffung dieser albernen Trennung nur Vorteile bringen würde! Es ist schließlich nicht so, als könnte man einander in allgemeinen Toiletten dann mehr beobachten als in getrennten, schließlich argumentiere ich nicht dafür, einzelne Kabinen abzuschaffen und wirklich alleine ist man ja jetzt schon nicht.



von Lucie Brennberger, MSS 11

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