• Schnurps Redaktion

„The Social Dilemma“ ein Kommentar von Paul Eberle



2020 wurde auf der Streaming-Webseite Netflix eine Dokumentation namens „The Social Dilemma“ (zu Deutsch „Das Dilemma mit den Sozialen Medien“) veröffentlicht. Diese hinterfragt kritisch die Geschäftsmodelle der großen Internetfirmen wie zum Beispiel Google und Facebook. Leitfaden des Films ist die Frage, ob wir die „Nutzer“ oder das „Produkt“ dieser Konzerne sind. Viele von euch werden antworten, dass wir die Nutzer sind, schließlich benutzen wir die Infrastruktur von Facebook zum Versenden von WhatsApp-Nachrichten oder YouTube von Google, um unsere unermüdliche Gier nach neuen Videos zu stillen. Der Film „Das Dilemma mit den Sozialen Medien“ hat darauf eine einfache und zugleich komplexe Antwort. „If you are not paying for the product, you are the product“. Dieses Zitat aus der Dokumentation bedeutet übersetzt (für die die im Englischunterricht nicht aufgepasst haben): „Wer nicht für das Produkt bezahlt, der ist das Produkt“. Stellt euch einfach die Frage: Woher kommt das Geld, wenn ihr nicht für diese Dienste bezahlt. Schnell wird klar, dass Werbung auf den Plattformen eine Einnahmequelle für diese Unternehmen ist.

Dieser Artikel ist in 5 Abschnitte unterteil. Falls euch nur bestimmte Unterpunkte interessieren, könnt ihr gerne direkt zu diesen skippen.

1. Diebstahl eurer Aufmerksamkeit

2. Personalisierte Werbung und Metadaten

3. Empfehlungsalgorithmen

4. Gesundheitliche Folgen von „Social Media“

5. Fazit und Kritik an der Dokumentation

Diebstahl eurer Aufmerksamkeit

Hier wird das erste Problem der Sozialen Netzwerke deutlich. Wenn Internetriesen dafür bezahlt werden, dass ihr – die „Nutzer“ – deren Werbung anschaut, dann macht es für sie natürlich Sinn, dass ihr viel Zeit auf ihren Plattformen verbringt. Facebook und Google versuchen euch also zum Beispiel mit Benachrichtigungen (Notifications) immer wieder an eure Handybildschirme zu bekommen. In der Dokumentation wird auch noch auf andere Features (Content Feed, Live-Modus) eingegangen, die ähnliche Effekte haben – immer mit dem Hintergedanken, eure Aufmerksamkeit so lange wie möglich für Soziale Medien in Anspruch zu nehmen.

Personalisierte Werbung und Metadaten

Wenn euch das immer noch nicht schockiert hat, dann kommen wir jetzt zu einem weitaus größeren Problem von „Social Media“. Jedem von euch fällt auf, dass Werbung, die euch auf YouTube oder Instagramm angezeigt wird, für euch personalisiert ist. Damit Computerprogramme diese Werbung für euch heraussuchen können, werden permanent neue Daten über euch gesammelt. Solche Daten können beinhalten, welche Videos ihr euch angeschaut habt oder was für Posts ihr gelikt habt, aber auch euer unterbewusstes Verhalten, wie lange ihr zum Beispiel einzelne Posts anseht, werden getrackt und gespeichert. Aus diesen sogenannten Metadaten berechnen die Algorithmen einen virtuellen Avatar von euch und versuchen mit diesem eure Interessen vorauszusagen.

Empfehlungsalgorithmen

Dieselben Algorithmen werden nicht nur für personalisierte Werbung genutzt, sondern auch um euch Videos oder neue Freunde zu empfehlen. Auf den ersten Blick erscheint das sogar als etwas Vorteilhaftes. Ihr müsst zum Beispiel nicht so lange nach Inhalten suchen, die euch interessieren. Auf der anderen Seite können diese Algorithmen beispielsweise dazu führen, dass ihr eure Informationen nur noch oder öfter von Quellen erhaltet, die eure bisherige Haltung zu einem politischen Thema unterstützten. Studien haben ergeben, dass sich auf diese Art und Weise Menschen radikalisieren, weil sie kaum noch gegenteilige Informationen erhalten. In den USA ist es beispielsweise so, dass die beiden politischen Lager (Demokraten und Republikaner) im Laufe des „Social Media“-Zeitalters immer weiter auseinandergedriftet sind. Oft wird in diesem Zusammenhang auch von sogenannten „Bubbles“ oder „Rabbit holes“ gesprochen. Stellt euch hierfür einfach vor, dass es verschiedene Gruppen mit bestimmten Meinungen gibt. Die Empfehlungsalgorithmen versuchen, euch diesen Gruppen zuzuordnen und schlagen euch entsprechende Inhalte vor. Dadurch werdet ihr langsam manipuliert und sympathisiert immer mehr mit einer bestimmten Gruppe. Gleichzeitig entsteht das Gefühl, die eigene Meinung sei die einzige und richtige und das Verhalten und die Meinung anderer wirkt irrational. Dies ist auch ein Grund dafür, dass sich nach einer Studie des Massachusetts Institute of Technology Fake News sechs Mal schneller verbreitet als wahre Nachrichten. Wir leben – und man kann es nicht oft genug sagen – im Zeitalter der Desinformation. Es war noch nie so wichtig wie heute, Informationen zu hinterfragen und aus verschiedenen Quellen zu gewinnen.

Gesundheitliche Folgen von „Social Media“

Die bisher genannten Probleme der Sozialen Medien sind wahrscheinlich für die meisten von euch hinnehmbar. Eine Klassenkameradin von mir hat auf ihrem Ordner einen Aufkleber mit der Aufschrift „Social Media seriously harms your life“. Dieses Thema, sowohl der Einfluss auf unsere Psyche als auch auf unsere physische Gesundheit, wird in der Dokumentation angesprochen und hat meiner Meinung nach die höchste Relevanz für uns alle. „Social Media“ spielt mittlerweile eine sehr wichtige Rolle in der Entwicklung der eigenen Identität, vor allem im Bereich des Selbstwertgefühls. Immer wenn ihr ein neues Bild hochladet oder eure Story erneuert, bekommt ihr Rückmeldung in Form von Likes und Dislikes. Diese ständige Rückmeldung sorgt nicht nur dafür, dass das Suchtpotenzial gesteigert wird, sondern dass das Verlangen besteht, immer mehr und beliebtere Posts zu erstellen, nur um mehr Rückmeldung zu erhalten. Dies führt in vielen Fällen zu Depression und geringem Selbstbewusstsein. In dem Dokumentarfilm werden zu diesem Thema Statistiken gezeigt, die belegen, dass sich die Selbstmordrate von Jugendlichen seit der Einführung der Sozialen Medien erheblich gesteigert hat. Kritiker sehen hier aber auch andere Faktoren, die eine Rolle spielen könnten. Ob und wie schädlich Soziale Netzwerke für die psychische Gesundheit sind, ist in der Forschung umstritten. Ich bin bei meinen eigenen Nachforschungen zu dem Thema auf die Psychologin Janis Whitlock aus den USA gestoßen. Ihrer Meinung nach spielt die Nutzungsart von „Social Media“ eine wichtige Rolle. Wenn ihr Soziale Netzwerke verwendet, um mit Freunden aus dem Urlaub oder aus der Grundschule in Kontakt zu bleiben, hat dies sogar positive Auswirkungen auf eure Gesundheit. Sobald ihr aber anfangt, euch mit anderen Menschen aus den Sozialen Medien zu vergleichen oder mit allen Mittel versucht eure eigenen Posts zu verbessern, hat dies schlimme Folgen für eure Psyche.

Fazit und Kritik an der Dokumentation

Die Dokumentation ist ein Muss für jede Jugendliche und jeden Jugendlichen. Für Interessierte ohne Account hat Netflix den Film auf YouTube veröffentlicht. Mithilfe von Experteninterviews und nachgespielten Szenen werden die Probleme von Sozialen Netzwerken aufgezeigt. Jeder von euch muss diese Gefahren kennen, um Dienste wie Instagram, Facebook und Co. richtig benutzten zu können und nicht von diesen benutzt zu werden. Nur dann könnt ihr euch von den negativen Konsequenzen schützten. Als letztes möchte ich euch noch auf den Weg geben, dass der Film eine klare negative Haltung gegen „Social Media“ hat. So werden manche Aspekte wie zum Beispiel die Selbstmordrate von Jugendlichen allein auf Netzwerke wie Facebook oder Instagram geschoben. Auch an anderen Stellen kommt es zu Übertreibungen und Gegenargumente werden nicht aufgezeigt. Dennoch ist der Dokumentarfilm gut recherchiert und bietet einen guten Einstieg in das Thema. Ein weiterer Kritikpunkt ist das mangelnde Aufzeigen von Problemlösungen. Somit steht am Ende des Films die Aussage im Raum, dass wir diese Apps einfach deinstallieren sollen. Ich bin mir sicher, dass nahe zu alle von euch dies nicht als zufriedenstellende Alternative sehen.

Links

Der Dokumentarfilm auf YouTube: The Social Dilemma | Full Feature | Netflix - YouTube

Link zu der offiziellen Webseite der Dokumentation: The Social Dilemma

Die Antwort von Facebook auf den Film: What-The-Social-Dilemma-Gets-Wrong.pdf (fb.com)

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