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  • AutorenbildSchnurps Redaktion

Das Zeitalter der Pseudo-Opfer

Impfgegner, Neonazis, Verschwörungstheoretiker... Sie alle behaupten, es zu sein: Nur ein Opfer ihrer Umstände. Doch warum ist das so? Leidet unsere Gesellschaft wirklich unter einem immer stärker werdenden Kontrollverlust ihrer Mitglieder oder ist es momentan einfach cool und zudem leichter, nicht verantwortlich für die eigenen Taten und Fehler zu sein? Vielleicht haben wir uns ja so sehr an die Anonymität, die das Internet uns bietet, gewöhnt, dass wir nicht mehr in der Lage sind, die Konsequenzen unserer Taten selbst zu tragen, weshalb wir die Verantwortung auf andere abschieben.

Vielleicht liegt es aber auch einfach in der menschlichen Natur, sich so zu verhalten, schließlich wurde im Laufe der Menschheit schon immer viel Schlechtes auf andere Individuen, Gruppen oder Gottheiten abgeschoben, sonst hätten historische Ereignisse, wie die Inquisition, nie stattgefunden. Inzwischen sehen die meisten Menschen einfach nicht mehr sogenannte Hexen, böse Geister, oder, im Mittelalter (und auch noch später) ebenfalls ein beliebter Sündenbock und angeblich verantwortlich, unter Anderem für die Pest, Juden, und natürlich den Teufel als Übeltäter, sondern die Regierung, die Umstände, unter denen sie aufgewachsen sind, die sogenannte "Jugend von Heute", oder, in besonders extremen Fällen, sogar Aliens. Aber vielleicht haben sie ja recht, vielleicht sind wir wirklich nur die Ergebnisse unserer Vergangenheit oder des Schicksals oder etwas anderes in die Richtung und deshalb nicht wirklich dazu in der Lage, selbst freie Entscheidungen zu treffen.


Aber es ist mit dem Verständnis von Wissenschaft, das die Menschheit momentan hat, noch unmöglich, dies nachzuweisen, also klingt es nur wie eine billige Ausrede, bis bewiesen wird, dass es tatsächlich stimmt. Vermutlich würde es das aber selbst dann noch tun. Es existieren zwar bereits Experimente, die versuchen, die Existenz von etwas Übernatürlichem nachzuweisen, doch die Ergebnisse derselben und deren wissenschaftliche Relevanz und Richtigkeit lassen sich durchaus anzweifeln. Und selbst, wenn wir zu dem Ergebnis kommen sollten, dass diese Theorie stimme, würde das vermutlich mehr schlimme als positive Folgen haben. Wie auch alles andere sollte man die Vorstellung, selbst keinerlei Kontrolle zu haben, kritisch betrachten, da sie nicht nur unrealistisch und albern wirkt, sondern auch ernsthafte, meist negative Folgen haben kann. Was hält uns ohne Selbstbestimmung und somit auch ohne Konsequenzen davon ab, moralisch verwerfliche Dinge zu tun?


Denn wenn niemand für die eigenen Taten verantwortlich gemacht werden kann, dann würden Einrichtungen wie Gefängnisse und Gerichte (diejenigen, die etwas mit Recht zu tun haben, nicht Nahrung) keinen Sinn mehr ergeben. Man kann jemanden ja schlecht für etwas bestrafen, über das er keinerlei Kontrolle hat, das wäre nicht nur ungerecht, sondern höchstwahrscheinlich auch nutzlos, als würde man ein Tier ins Gefängnis stecken, weil es seinen Instinkten gefolgt ist. Allerdings gibt es sicher auch Menschen, die das gut finden würden. Gerecht wäre so etwas jedenfalls nicht im Geringsten.


Allgemein wird allerdings die Meinung vertreten, dass wir Menschen einen freien Willen haben und uns dadurch von Tieren unterscheiden, was bedeutet, dass wir doch für unsere Taten und deren Folgen verantwortlich sind. Das bedeutet, dass äußere Umstände uns nicht unbegrenzt kontrollieren, sondern wir selbstbestimmt sind. Natürlich beeinflusst uns unsere Umgebung trotzdem, manchmal auch negativ, aber man sollte sich lieber dagegen wehren, statt einfach aufzugeben und nichts zu tun.

Statt sich gegen die Umstände zu wehren, behaupten alle nur, machtlose Opfer zu sein, was weder sinnvoll, noch gesund ist. Dennoch bleiben viele tatenlos, entweder, weil sie Angst vor Veränderung und etwaigen negativen Folgen des Wiederstandes haben oder einfach, weil sie zu faul sind, etwas zu tun und ihnen die eigene Freiheit nicht wichtig genug ist. Daran ist ja auch an sich nichts falsch, wenn man die Kontrolle über sein eigenes Leben abgeben und in selbstverschuldeter Unmündigkeit existieren will, so kann man das meiner Meinung nach derne machen, auch wenn derartige Mitläufer politisch oft schlechte Entscheidungen treffen. Richtig schlimm wird es erst, wenn Menschen freiwillig die Kontrolle abgeben und sich dann nachher über ihre Umstände beschweren, als könnten sie sich nicht aus dieser Situation befreien, in die sie sich und andere selbst reingebracht haben.

Es kann also durchaus sein, dass wir weniger tatsächliche Kontrolle über unser Leben haben, als wir glauben, aber genauso gut kann es auch sein, dass wir mehr Einfluss haben, als der Anschein vermuten lässt. Egal, was davon der Fall ist, man sollte trotzdem versuchen, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen!


von Lucie Brennberger, MSS 11

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